Samstag, 7. Juli 2018

Erst der Dämmwahn und jetzt also der Solarwahn: Ein Beispiel zum Thema aus dem echten Leben

So soll die neue Zentrale der Nordsee Kette aussehen - und auch jedes andere Gebäude im Land (Bildquelle)

Unter dem Titel „Tübingen soll überall werden“ schreibt Telepolis gerade über die Einführung der „Solarpflicht“ in der Stadt, wonach alle neugebauten Gebäude künftig verpflichtend mit Solarzellen ausgestattet werden sollen. Das Ziel der Maßnahme besteht darin – und ich zitiere hier, das ist keine Fake News - „dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Erreichen der Klimaschutzziele beteiligen“. Es geht also ganz offen wieder einmal nicht um grünen Strom, sondern um Umerziehung. Danach werden in dem kurz gehaltenen Stück kurz die üblichen Vorteile abgeleiert a la „Strom schickt keine Rechnung“ und sämtliche Einwände dagegen abgebürstet. Hier eine Replik auf diesen nicht lesenswerten Artikel.




Architektonische Monokulturen als Ausgeburt des Klimawahns



Neubauten (v.a. in öffentlicher Hand) werden inzwischen energetisch völlig abgeriegelt, damit auch bloß kein Molekül die Wärme von drinnen nach außen abgeben kann. 

Dazu sind die meisten Neubauten dunkel oder gleich schwarz gehalten, um das Sonnenlicht anzuziehen und noch mehr Wärme zu produzieren und zu guter Letzt wird das architektonische Konstrukt so ausgerichtet, dass die Fenster an der Nordseite mehr Schießscharten als Fenstern ähneln, um den Wärmeverlust durch die Fensterfront zu minimieren, während die Fenster in Richtung Süden schön groß sind, damit sich die Räume hinter den dreifach isolierten Glasfassaden ordentlich aufwärmen.

Im Ergebnis braucht man nur noch wenig Energie zum Heizen, was eine tolle Sache ist. Das aber kommt zu einem hohen Preis und dies nicht nur im Bereich der Schimmelbildung oder der Brandgefahr, wie etwa der Greenfall Tower in London in erschreckender Weise zeigte.

Es mag einige grüne Planer überraschen, aber die Gebäude werden in der Regel nicht nur im Winter benutzt, sondern auch im Sommer - und das ist ein Problem für dieses Konzept.

File:Heidelberg-Uni-267.jpg
Nur anthrazitfarben: Gebäude 267 der Uni Heidelberg (Bildquelle)
  

Das Energieproblem "Winter" ist gelöst, es lebe das neue Problem "Sommer"



In der Jahresmitte - und aufgrund des hohen Optimierungsgrades auch im Frühling und im Herbst und gelegentlich sogar im Winter - heizen sich die Gebäude enorm auf. Das missfällt vielen Personen, die sich in diesen Gebäuden aufhalten, vor allem wenn sie darin arbeiten müssen.

Da sich viele Fenster aus Optimierungsgründen aber nicht öffnen lassen und auch nicht immer Jalousien vorhanden sind, um das Sonnenlicht zu blockieren wird am Ende auf die Klimaanlage zurückgegriffen. Diese läuft dann auf stundenlang Hochtouren und kühlt die Räume des sich konstruktionsbedingt den ganzen Tag aufheizende Gebäude auf 20°C ab.

Verschlimmert wird die Situation aufgrund von heißlaufenden Beamern (der letzte Vortrag ohne wurde gefühlt in den 1990er Jahren gehalten), sowie durch die Zahl der sich im Raum befindlichen biologischen Heizkörper, auch Personen genannt. Man denke etwa an einen kleinen Seminarraum mit 30 Personen, die sich 90 Minuten lang einen Vortrag anhören. Selbstredend wird dieser von einer Foliensammlung begleitet, die über den 5000W Hochleistungsbeamer an die Wand geworfen wird und nebenan brennt die Sonne über das Panoramafenster in den Raum.

Tatsächlich ist es meiner Erfahrung sogar so, dass in diesen Räumen hinterher gerne vergessen wird, den Beamer und die Klimaanlage wieder auszuschalten. Geschieht dies gegen Abend, dann läuft beides über Nacht durch und geschieht dies am Freitagnachmittag, dann muss die Putzfrau am Montag morgen die beiden Geräte ausschalten, nachdem sie 50 Stunden am Stück gelaufen sind. (Auffällig ist, dass die Klimaanlage nicht auf 20°C gestellt wird, sondern stets auf auf das Minimum von 16°C. Warum auch immer.)
Früher wäre es die Aufgabe des Hausmeisters gewesen, darauf zu achten, dass abends alles ausgeschaltet ist. Heutzutage aber gibt es das nur noch selten. Das "Facility Management" ist zur Kostenersparnis meist ausgelagert und in Teilaufgaben zersplittert, so dass der Blick fürs Ganze fehlt.

Unterm Strich werden dadurch die Ersparnisse aus der Dämmung komplett aufgebraucht und ad absurdum geführt aufgrund der Notwendigkeit, die Temperatur wieder auf ein erträgliches Maß herunterzubringen.

Nicht zuletzt kostet die energetische Ausstattung der Gebäude sehr viel Geld und lohnt sich je nach Umständen erst nach Jahrzehnten - oder eben gar nicht. Vor allem dann, wenn ein Gebäude über das Fernwärmenetz beheizt wird, ist die energetische Sanierung von A bis Z ein Verlustgeschäft, da die Abwärme ein Abfallprodukt der Stromerzeugung ist, während der Strom der Klimaanlagen erst noch produziert werden muss.


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Was hat das mit der Vorschrift für Solarzellen auf Neubauten zu tun?



Nun, die Idee ist sicherlich als "gut gemeint" zu bezeichnen. So war es aber auch mit der Verschärfung der Energieeffizienz von Gebäuden, diese Vorschriften sind bekanntlich auch "gut gemeint". Eher weniger gut ist deren Ergebnis, sie brachten uns:
  • monoton gleichförmige Gebäude
  • eine erhöhte Brandgefahr
  • eine geringere Lebens- oder Arbeitsqualität
  • Gesundheitsgefahren aufgrund von Schimmel
  • Betriebskostensteigerungen wegen der Notwendigkeit zur künstlichen Reduktion der Innentemperatur

In der Angelegenheit mit den Solarzellen sind die genannten Probleme vermutlich eher weniger relevant mit Ausnahme des ersten und letzten.

Solarzellen sind nach wie vor extrem teuer und sie sind extrem hässlich. 

Es werden aber sicherlich andere Probleme auftauchen, wie etwa die Brandgefahr durch große chemische Batterien im Keller, in denen der überschüssige Strom zwischengespeichert wird. 

Bekanntlich kommt es auch immer wieder vor, dass Solaranlagen gestohlen werden. Und auch das könnte sich als relevant erweisen für zwangsweise auf den Dächern neuer Wohnblöcke installierter Anlagen. Denn wer weiß schon, wie ehrlich und betriebsam die Bewohner darunter sind. Und wer weiß schon, ob es dem Vermieter egal ist, weil er die Dinger sowieso nicht auf dem Dach haben wollte und nun die Versicherungssumme einstreichen kann.

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Der Neubau der Unibibliothek Weimar. Macht bestimmt Spaß, sich beim Lernen von der Sonne über die Schulter schauen zu lassen. (Bildquelle)



Warum immer nur klein-klein und privat? Lasst die Industrie das Problem lösen!



Jenseits dessen, dass so etwas überhaupt zwangsweise umgesetzt werden soll ist mein persönlich größtes Problem mit einem solchen Vorhaben, dass auch hier wieder Privathaushalte belastet werden, um ein ideologisch getriebenes Projekt in die Realität umzusetzen. Deutsche Privathaushalte sind nur für etwa 25% der verbrauchten Gesamtstrommenge verantwortlich. Genauso verbrauchen sie relativ gesehen auch nur wenig Wasser - während das Land insgesamt mehr als genug Wasserreserven hat - und trotzdem werden wir belästigt mit dem Zwang zur Tröpfchenbewässerung bei der Klospülung. Niemandem ist geholfen und alle müssen 3 Mal spülen.

Warum eigentlich konzentriert man sich nicht auf die Industrie bei Effizienzsteigerungen?

Die deutsche Industrie ist trotz aller Sabotageversuche noch immer massiv, sie ist extrem produktiv, sie ist innovativ und sie kennt Skaleneffekte, die im Privaten kaum möglich sind.

Übertragen auf die Idee der Zwangssolaranlage auf dem Dach wäre eine industrielle Orientierung sogar überaus vorteilhaft. Produktionshallen haben große Dächer und diese sind meist flach und haben keine andere Aufgabe (auch keine ästhetische) als den Regen abzuhalten.

Warum nicht auf diese zurückgreifen? Während die Dachfläche bei Häusern und Wohnblocks selten größer ist als 200m², so bietet ein x-beliebiges Industriegebäude problemlos das zehnfache dessen an Fläche. Und wie viele dieser Produktionshallen haben wir in Deutschland, also im sonnigen Teil? Tausende!

Da aber lässt man lieber die Finger weg, da es am Ende zu viele relevante Personen verärgern könnte. Dabei kommen nicht einmal die Einäugigen unter den Ökoblinden auf die Idee, anstelle des Installationszwanges eine Relation vorzugeben, zu der große Flachdächer an Solarzellenbetreiber vermietet werden müssen. Das würde die Installationskosten deutlich drücken und der Ball läge fortan bei den grünen PV-Investoren, die dann nur noch aktiv werden müssten, während die Fabrikhalleneigner kein Zwangsrisiko eingehen müssten.
Aber selbst das ist offenbar zu hoch für viele. Oder es passt nicht in das ideologische Selbstbild, wonach andere die Konsequenzen der eigenen Ideale ausbaden sollen.

Merke: Der Pfad in die Hölle war immer schon gepflastert mit guten Vorsätzen. Und schlimm wird es immer genau dann, wenn man ihn von Linken und Grünen gepflastert bekommt.

PS: Im Kommentarbereich vermutet ein Nutzer übrigens, dass es bald wohl einen Markt für Fake-Solarpanele geben wird. Hauptsache „auf dem Dach liegt irgendwas, das so aussieht als ob.“ Er könnte Recht behalten.
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