Wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt (Bildquelle) |
Wie oft wurde Attila Hiltmann verhaftet bei seinen Demonstrationsauftritten? Vermutlich fünf Mal zu oft, wenn man bedenkt, dass ihm bei allem was bekannt ist, mit Antifa-Anstecker und gewaltsam angewandtem Fünffingerrabatt, rein gar nichts passiert wäre und er jetzt möglicherweise ein neues iPhone zum Nulltarif hätte. Das aus „historischem Unrecht“ erzeugte schreiende Unrecht auf Deutschlands Straßen und in anderen Ländern ist so greifbar, dass kaum noch jemand indifferent bleiben kann. Denn unsere „Community-Masken“ müssen wir noch immer alle tragen und das, ob wir randalieren wollen oder nicht. Für die Zukunft verheißt dieser Doppelstandard nichts gutes, misst sich die Legitimität von künftig als notwendig erachteten Maßnahmen doch immer auch an der Zuverlässigkeit und Konsistenz von Entscheidungen aus der Vergangenheit.
The Specatator: Warum gab es nach den Protesten noch keine Spitze an Neuansteckungen mit dem Coronavirus?
Inzwischen ist genug
Zeit vergangen, dass wir in Folge der Massenproteste Anzeichen für
eine Zunahme an Coronafällen erkennen müssten. Die Tatsache, dass
dem nicht so ist, lässt ernsthafte Zweifel an den coronabedingten
Alltagsbeschränkungen, von denen viele nach wie vor voll gelten.
Eine der
vorgebrachten Erklärungshypothesen besteht im Wetter, wonach die
Proteste im Freien bei wärmerem Wetter das Infektionspotential des
Virus verringert haben könnten. Dies scheint jedoch höchst
unwahrscheinlich. Selbst wenn es einen solchen Effekt gibt, so
überwiegt er mit ziemlicher Sicherheit nicht die körperliche Nähe
der Demonstranten zueinander. Laut einer weiteren Erklärungshypothese
sind die meisten Demonstranten noch relativ jung sind, die nur mit
geringer Wahrscheinlich erkranken und das Virus lediglich
asymptomatisch übertragen. Das könnte durchaus der Fall sein,
allerdings fehlen bislang noch die notwendigen Zahlen, um diese
Hypothese zu stützen, wobei mich diese Erklärung persönlich
derzeit noch nicht überzeugt.
Die dritte Hypothese
lautet, dass wir bestimmte Risiken des Coronavirus bei weitem
überschätzt haben, und grundlegende bürgerliche Freiheiten
gesetzestreuer Bürger in unnötiger Weise eingeschränkt wurden und
werden. Demnach bedurfte es zur Beweisführung der Hypothese
eigentlich untersagte Massenproteste.
Auf Basis der
aktuellen Informationen halte ich die dritte Erklärung für die
wahrscheinlichste. Neuartige Krankheitserreger können bekanntermaßen
nur schwer eingeschätzt werden, so dass es besser ist, Vorsicht
walten zu lassen, bevor man es später bereut – und es ist daher
selbst dann, wenn die Vorsicht übertrieben war, im Nachhinein als
angemessen zu erachten, dass die Alltagsbeschränkungen vorgenommen
wurden.
Als großen Malus
offenbarte uns die gegenwärtige Situation jedoch auch einen völligen
Mangel an einem soliden öffentlichen Verständnis für die
Gesundheitspolitik. Mit der Öffentlichen Gesundheit ist
notwendigerweise eine große Machtfülle verbunden, die es ihr
erlaubt, in Notfällen die grundlegenden bürgerlichen Freiheiten
einzuschränken – und das unabhängig davon, ob es sich am Ende
auch wirklich als notwendig erwiesen hat. Äußerst gefährlich wird
es aber dann, wenn politische Partikularinteressen - seien sie nun
korrekt oder aufrichtig - die Anwendung dieser Machtfülle zur
Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten beeinflussen. Oder, um es
deutlicher auszudrücken: Wenn das Verbot von Massenversammlungen im
Interesse der Öffentlichen Gesundheit ist, dann müssen sie generell
verboten werden – und zwar unabhängig davon, ob es sich nun um
Black Lives Matter, Proteste gegen die Alltagseinschränkungen oder
sonst eine Massenveranstaltung handelt. Denn eine gerechte Sache
verleiht den Teilnehmern keine antivirale Immunität.
Effektiv wurde die
Öffentliche Gesundheit nur so lange als ein gemeinsames Anliegen
erachtet, bis diese plötzlich etwas behinderte, das vielen Menschen
wichtiger war, als die Kontrolle einer Pandemie. Die dadurch
entstandenen Disparitäten sind so tiefgreifend, dass es nun
schwierig ist, die Alltagseinschränkungen noch immer als rein auf
der Notwendigkeit beruhende Maßnahmen aufgrund höherer Umstände zu
betrachten. Aus rein wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen
Unterschied zwischen Demonstranten, die gegen die Beschränkungen
demonstrieren und jenen, die dies gegen Rassismus auf die Straße
gehen. Angesichts der Tatsache, dass die Gefahr einer Infektion mit
der Zahl der Menschen in direkter Nähe um sich herum exponentiell
zunimmt, es aber keine weitere Massenansteckungen gab, erscheint die
Unterdrückung von Protesten gegen die Alltagsbeschränkungen im
Rückblick als völlig übertrieben.
Was daraus folgt,
ist der Schlimmstfall für die öffentliche Wahrnehmung – es
verbreitet sich die Vorstellung, dass sich die im Namen der
Öffentlichen Gesundheit getroffenen Maßnahmen, um den Philosophen
Anacharsis zu paraphrasieren, wie Spinnweben verhalten: Sie sind
stark genug, um die Schwachen zu fangen, allerdings auch zu schwach,
als dass sich die Starken darin verheddern. Das ist eine überaus
gefährliche Entwicklung. Wir haben die Gebote der Öffentlichen
Gesundheit nicht als jene bedeutenden Hilfsmittel akzeptiert, die sie
sind, sondern diese wahrgenommen als eine Art Cargokult, der uns
daran erinnerte oder einigen von uns vielleicht als eine Möglichkeit
gesehen wurde, auf den schmerzlich vermissten sozialen Zusammenhalt
unserer Gesellschaft hinzuweisen oder diesen vielleicht sogar von
neuem zu erzeugen, allerdings ohne dabei den größeren Zusammenhang
dessen zu beachten, warum wir das machen, oder diesen überhaupt zu
erkennen.
Dabei gibt es keine
Gewinner in dem sich abzeichnenden Spiel. Wir alle verlieren. Die
Vorsicht als die Mutter der Porzellankiste gibt es nicht ohne Grund
und so ist es besser, mit einer etwas zu großen Vorsicht vorzugehen.
Das aber muss eine ehrliche Kommunikation beinhalten über die
inhärenten Unsicherheiten der ergriffenen Maßnahmen, gefolgt von
deren konsequenter Umsetzung. Im ersten Punkt lässt sich die
Leistung der Gesundheitspolitik als akzeptabel bewerten – im
zweiten Punkt aber hat die politische Führung völlig versagt. Ich
fürchte, in den kommenden Jahren (und insbesondere bei einer
weiteren Pandemie) werden wir dafür eine sehr, sehr hohe Rechnung
bezahlen.
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