Heidelberg erklärt den Klimanotstand… und macht erstmal sein Hallenbad dicht

Klimanotstandsgebiet Heidelberg zieht die Handbremse (Bildschirmfotos: 1,2)

Gerade erreichte mich die E-Mail eines Bekannten, der im ehemals schönen Heidelberg lebt. Er ist kein Student, sondern produktiv dort tätig, das sei dazu gesagt. Bislang war es seine Gewohnheit, über den Mittag eine halbe Stunde im stadtmittig gelegenen Hallenbad schwimmen zu gehen, das in der Vergangenheit auch im Sommer geöffnet war, wobei es keine Anzeichen gab, dass sich das in diesem Jahr ändern würde. Nun aber wurde offenbar kurzfristig beschlossen, die Einrichtung über den Sommer zu schließen und das Gefühl kommt auf, dass es sich dabei um eine aktionistische Maßnahme gegen CO2 handeln könnte. Schwimmern bieten sich nun einige interessante Alternativen, von denen mit Ausnahme der Schwimmrunde im Neckar jedoch alle mit einer ordentlichen Extraportion CO2 daherkommen.


Hallenbäder verursachen eine Menge CO2-Emissionen, sind vor allem aber teuer im Unterhalt



Nun ist nicht bewiesen, dass die Schließung des „Darmstädter Hof“ Hallenbades in Heidelberg mit dem gerade erst verkündeten Klimanotstand im Zusammenhang steht, den die sonnenverwöhnte Stadt in der Kurpfalz gerade erst erklärt hat, nachdem das in der Regel ebenso sonnige Konstanz und das eher regnerische Irland in der Sache vorweg gingen.

Es ist eher das Timing, das für einen Zusammenhang spricht, wie auch die Abwesenheit einer Vorankündigung bei der gleichzeitigen Verlautbarung und Umstellung auf feste „Sommeröffnungszeiten“ für das Hallenbad vor einigen Wochen.

Auch die Tatsache, dass ein Hallenbad wegen seiner Klimaschädlichkeit zugemacht wird, während beispielsweise die städtische Kita (fürs erste zumindest) offen bleibt macht Sinn. Hallenbäder müssen in der Regel mit viel Energie beheizt werden und dazu braucht es starke und permanent laufende Pumpen für die Reinhaltung des vielen Wassers im Becken. Gleichzeitig – um den Vergleich mit der Stadtkita zu Ende zu führen - ist ohnehin Ramadan, da muss für die Kleinen ja auch nichts gekocht werden, so dass sich deren Klimaschädlichkeit in Grenzen hält.

Aufgrund des hohen Energieeinsatzes und einiger anderer Eigenschaften, wie der erhöhten Gefahr für die Verbreitung gefährlicher Bakterien und Viren in dem feucht-warmen Biotop, verbraucht ein Hallenbad eine Menge Geld und vor allem mehr als Schwimmbäder vergleichbarer Größe. Mir sind die Zahlen nicht bekannt, würde aber schätzen, dass die effektiven Kosten für den Hallenbadbetrieb in etwa 30-50% über denen des Betriebs eines Freibades liegen.

Hinzu kommen im Fall von Heidelberg erstaunlich niedrige Preise. Während Otto Durchschnittsbrustschwimmer in Heidelberg ohne Rabatt mit 200 Euro für eine Jahreskarte davon kommt, so muss man für selbige Karte im klimakollegialen Konstanz schon ein Drittel mehr berappen.

Man kann also den Verdacht hegen, dass hier keine Klimanotabschaltung vorgenommen wurde, sondern einfach nur eine schnöde Maßnahme zur Einsparung von Kosten vorliegt, um den finanziellen Klotz am Bein zumindest ein halbes Jahr lang loszuwerden.



Das vollisolierte Hallenbad macht dicht, das beheizte Thermalschwimmbad bleibt offen



Besonderen Grund für ein Kratzen am Kopf ob dieser Schließungsmaßnahme gibt die Tatsache, dass sich nicht weit entfernt ein 1939 eröffnetes Thermalbad befindet. Laut Internetauftritt wurde dieses vor nicht allzu langer Zeit „originalgetreu“ renoviert - was auch immer das heißen mag bei einem Bau, der im Originalzustand sicherlich mit der ein oder anderen Hakenkreuzkachel verschönert war. Das aber nur nebenbei. Viel wichtiger im Klimazusammenhang ist, dass dieses Thermalbad über ein körperwarm „beheiztes Becken“ verfügt.

Leider bin ich kein Energetikexperte. Daher möchte ich nur die Frage in den digitalen Raum stellen, was hinsichtlich des Verlustes an Wärmeenergie wohl vorteilhafter ist: Ein nach oben offenes 50m-Becken, oder ein nach allen Seiten vollisoliertes 25m-Becken?

Ein Vergleich der Eintrittspreise - Hallenbad: 4 Euro; Thermalbad: 5 Euro - jedenfalls impliziert, dass der Betrieb von letzterem heute schon mit einer ordentlichen CO2-Steuer belegt ist. Ob es in Bezug auf die Weltrettung vor dem CO2-Klimatod allerdings als vorteilhaft zu erachten ist, den ehemaligen Hallenbadschwimmern deutlich mehr Geld aus der Tasche zu ziehen als bislang, damit sie genauso oft wie bislang schwimmen gehen können, dabei von nun an aber 25% mehr CO2 freisetzen, wage ich wie auch mein Bekannter zu bezweifeln.



Heidelberger Badealternativen am A-der-W



Laut der Internetseite der Heidelberger Stadtwerke gibt es noch weitere Alternativen für die Schwimmmer der Stadt. Das Problem dabei jedoch ist, dass wer halbwegs in der Stadtmitte lebt, der muss von nun an eine ordentliche Strecke zurücklegen. Das mag manchmal mit dem Fahrrad erfolgen und manche werden den Bus nehmen, der Rest aber wird auf das Auto oder den stinkenden Roller als Fortbewegungsmittel zurückgreifen.

1) Das Tiergartenbad


Von Heidelbergs zentral gelegenem Bismarckplatz aus waren es bis zum Darmstädter Hof Hallenbad in etwa 100 Meter. Das Thermalbad als erste Alternative wiederum läge nur etwa einen halben Kilometer entfernt, dort aber wollen wir nicht hin wegen der CO2-getriebenen Beheizung des offenen Beckens. Damit wird zur nächstgelegenen offenen Schwimmgelegenheit - also abgesehen vom Neckar und verschiedenen Becken in den Gärten von Millionärsvillen - das am westlichen Rand Heidelbergs gelegene und grob vier Kilometer vom Bismarckplatz entfernte Tiergartenbad.

Alleine mit dem einmaligen Hin und Zurück mit dem PKW werden damit 0,5 Liter Diesel verbrannt, die Parkplatzsuche nicht mit inbegriffen. Wenigstens ist die Strecke eben, jedoch soll auch Heidelberg an Stauproblemen leiden.


2) Das Hallenbad Hasenleiser**


Bis zum im Süden der Stadt gelegenen Hasenleiser Hallenbad sind es ebenso vier Kilometer. Dies mit vergleichbarer Topografie und Stauverhältnissen. Dafür bekommt man zwei Mal pro Woche zum Normalpreis einen „Warmbadetag“ geliefert. Angesichts des erklärten Klimanotstandes wird das vor allem von Frauen wahrgenommene kleine Extra jedoch sicherlich bald der Vergangenheit angehören. Selbiges gilt vermutlich auch für die zum Hallenbad gehörende Sauna.

3) Das Hallenbad Köpfel**


Einen ganzen Kilometer weiter muss fahren, wer zum östlich gelegenen Hallenbad „Köpfel“ gelangen will. Dazu impliziert der Name Köpfel auch, dass die Einrichtung oben liegt, sprich auf einem Berg. Das ist energetisch überhaupt nicht vorteilhaft, da sowohl Diesel-PKW als auch Busse ein Vielfaches an Sprit verbraten müssen, um die 200m Höhenunterschied zu bewältigen.

Wäre ich im Stadtrat zuständig für Notmaßnahmen gegen den drohenden Klimatod, das Hallenbad Köpfel stünde daher - neben der Heizung für das Thermalbad und die Warmbadetage - ganz oben auf meiner CO2-Gegenmaßnahmenliste.

Das und allgemein der Vorort Ziegelhausen, da man davon ausgehen kann, dass die meisten der dortigen Einwohner jeden Tag mindestens einmal mit Hilfe eines Verbrennungsmotors den Höhenunterschied überwinden. Es gibt keinen Grund, diese Menschen nicht beispielsweise in den nun leerstehenden Kasernenwohnungen der US-Armee unterzubringen, die im flachen Bereich Heidelbergs und überdies näher zum Zentrum liegen.

Dort können die ehemaligen Ziegelhausener dann gleichzeitig dabei helfen, die ebenfalls in den ehemaligen Kasernen untergebrachten „neu Hinzugekommenen“ zu integrieren. Es wäre ein Win-Win für die Klimarettung und die multikulturelle Gesellschaft.


4) Das Hallenbad in Dossenheim*


Der Vorort Dossenheim gehört eigentlich nicht zu Heidelberg selbst, liegt aber nicht allzu weit weg und hat ein eigenes Hallenbad. Mit fünf Kilometern bis zum Bismarckplatz ist die Einrichtung etwas weiter entfernt als etwa das südliche Hasenleiser Hallenbad (Topografie & Stau sind vergleichbar), wird aber für jeden, der mittig oder nördlich in Heidelberg wohnt künftig die erste Anlaufstelle sein. Wir müssen also auch hier von tendenziell steigenden CO2-Emissionen ausgehen.



Manche Menschen schwimmen gerne, mögen aber keine Freibäder



Mein Bekannter meinte, dass er künftig sehr wahrscheinlich nach Dossenheim ausweichen wird, wie auch viele andere, die in der Mitte oder im Norden der Stadt wohnen und bisher im Darmstädter Hof schwimmen gingen.

Einige werden als Grund für den Umstieg nach Dossenheim anstelle der näher gelegenen Freibäder auf die Witterungsunabhängigkeit verweisen. Andere mögen den in Schwimmbädern unausweichlichen Geruch nach Fritösenfett nicht. Und im Falle meines Bekannten kommt noch oben drauf, dass er an einer seltenen Form der Epilepsie leidet - was auch der Grund für seine säuerlich angehauchte Aufforderung an mich war, einen Artikel zum Themenkomplex Heidelberg-Klimanot-Hallenbad zu verfassen.

Seine Epilepsie drückt sich nämlich nicht darin aus, dass er hin und wieder zuckend auf den Boden fällt und Schaum vor dem Mund bekommt, sondern dass er, wenn er geblendet wird, kleine elektrische Schläge in seinem Gehirn bekommt, was mit einem leichten Zustand der Verwirrung einhergeht.

Man kann sich vorstellen, in einem offenen Schwimmbad mit seinen vielen spiegelnden Flächen kommt das ziemlich oft vor. Zwar gibt es spezielle Sonnenbrillen und auch Schwimmbrillen, die das Vordringen von zu viel Licht zu den Augen zuverlässig verhindern, allerdings muss man hin und wieder die Brille absetzen, um sich zu orientieren oder wenn Wasser eingedrungen ist.

Das Schwimmen im offenen Ambiente - sei es im Schwimmbad, beim Millionär um die Ecke oder billig im Fluss - wird damit zur Unmöglichkeit. Kommt nun noch der Klimanotstand hinzu, in dessen Rahmen systematisch die falschen Schwimmgelegenheiten geschlossen werden, dann passiert genau das, was im Sozialismus immer geschieht:

  • Die Lebensqualität sinkt.
  • Die Kosten und der Ressourcenverbrauch steigen.
  • Das Gegenteil des Gewollten wird erreicht.

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckard Würzner ist zwar parteilos und wird laut Wikipedia vor allem von konservativen und liberalen Parteien unterstützt, aber er kommt auch aus Goslar. Das ist jener Ort, an dem Sigmar Gabriel geboren und aufgewachsen ist und schließlich zum Ehrenbürger ernannt wurde. Vielleicht liegts ja daran.


* Ein Dossenheimer hat sich eben bei mir gemeldet und meinte, dass deren Hallenbad gerade geschlossen ist wegen Renovierungsarbeiten. Auf meine Rückfrage, wohin die Dossenheimer derzeit zum schwimmen ausweichen und ob auch Dossenheim den Klimanotstand ausrufen wird, hat er bislang noch nicht geantwortet.


** Ein zweiter Leser aus Heidelberg hat sich gemeldet mit dem Hinweis auf spezielle Öffnungszeiten für „Damen“. Während das Darmstädter Hof Hallenbad an den Öffnungstagen stets für alle zugäglich war, so gibt es laut dem Belegungsplan im Köpfel Hallenbad Dienstags und im Hasenleiser Mittwochs einen Tag nur für weibliche Gäste.

Das sind schlechte Nachrichten für Männer, die nun im Gäu herumfahren müssen für ihre Schwimmrunde und damit - Islam sei dank - noch schlechtere fürs Weltklima.
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