Warum der Strompreis in Deutschland auf 60 Cent pro Kilowattstunde steigen wird

Installation von Dachgold (Bildquelle)

Bekanntlich gewinnt man einen Krieg noch bevor er beginnt. So war es auch beim Kampf um die öffentliche Deutungshoheit, ob wir denn eine CO2-Steuer brauchen. Dank Medien, Politik, Greta und Rezo werden wir bald schon eine noch viel größere Ecke unseres Einkommens für Energie aller Arten an den Fiskus abführen dürfen als bislang. Eine der großen Fragen dabei ist, wie viel wir am Ende für die KWh Strom bezahlen müssen und wann es wieder aufhören wird. Hier die Antwort.



Substitution und Opportunität beim Strompreis



Auch wenn sich die Politik gerne mal bockig zeigt beim Thema der Wirkung von monetären Anreize - man denke an die Migrationskrise - sie weiß sehr wohl, dass der Mechanismus überaus zuverlässig funktioniert. Menschen reagieren nunmal auf Preise und wenn der Preis hoch ist, dann folgt eine Änderung des Konsumverhaltens. Diese Regel ist universell und gilt für Privatpersonen genauso wie für Unternehmen. Aus Erfahrung ist bekannt, dass bei steigenden Preise die folgenden fünf Reaktionen erfolgen:

  1. Man schluckt den höheren Preis und schränkt sich im Zweifel woanders ein.
  2. Man schränkt den Konsum ein und hält die übrigen Budgets konstant.
  3. Man wird auf dem Schwarzmarkt aktiv.
  4. Man kauft woanders ein (= zieht woanders hin).
  5. Man wird erfinderisch und sucht sich eine technische oder organisatorische Lösung für die neue Knappheit.

Auch bei der kommenden CO2-Steuer werden alle fünf dieser Konsequenzen relevant werden, die sich aus der gezielt verteuerten Energie ergeben. Dabei baut die Politik natürlich vor, damit insbesondere Punkt drei nicht in nennenswerter Größenordnung eintritt. Abhilfe schaffen können etwa umfassende Überwachungssysteme, von denen es heute schon sehr ausgeklügelte gibt. Des weiteren sind Prämien angedacht für die übliche Klientel der „sozial Schwachen“, und mit denen ihre unterdurchschnittlichen CO2 Emissionen belohnt werden sollen.

Im folgenden möchte ich aber vor allem auf den fünften Punkt eingehen, da er bestimmt, wie hoch der Strompreis maximal steigen kann. Denn sobald der Marktpreis für Strom über dem Preis für autonome Haussysteme liegt, dann werden private und gewerbliche Konsumenten damit beginnen, sich vom Markt abzukoppeln und sich autark mit Strom zu versorgen. Über die Berechnung des Preises für derartige Haussysteme zur Heimversorgung lässt sich daher auch abschätzen, wie weit die Politik die Preisschraube drehen kann - und damit auch wird.



Photovoltaik plus Akku im Keller – was kostet es derzeit?



Kostenrelevant für derartige Systeme sind die Photovotaikzellen auf dem Dach, der Akku im Keller, die Steuerung mitsamt Verkabelung und natürlich der Einbau durch Experten. Nicht zuletzt gibt es da noch die Versicherungsfrage, da Akkus bekanntlich gerne mal brennen. Ebenso kostentreibend wirkt die Tatsache, dass kaum ein Haus wie das andere ist, wir es also zumindest im Segment für Einfamilienhäuser mit einem Markt der zwangsweisen Handarbeit zu tun haben. Das wirkt sich meist auf den Kaufpreis aus.

Die folgenden aktuellen Komponentenpreise konnte ich ermitteln, heruntergebrochen auf ihren brutto Preis pro KWh:


Insgesamt liegt der Preis für die Installation einer Hausanlage damit bei circa 2.700 Euro pro Kilowattstunde. Da auf die Einzelteile jeweils zehn Jahre Garantie gegeben werden und angenommen werden kann, dass eine Speicherzelle ein Mal pro Tag ge- und entladen wird, resultiert dies in einem effektiven Preis von 73 Cent/KWh.

Sobald also der nach oben dirigierte Marktpreis für Strom die Marke von 73 Cent pro KWh knackt, dann lohnt es sich für jeden Stromkonsumenten, sein Haus mit einer politisch präferierten Ökostromquelle auszustatten.



Photovoltaik plus Akku im Keller – was kostet es absehbar?



Auch wenn inzwischen alle Weichen gestellt sind, die Umsetzung der CO2-Steuer wird noch mindestens ein Jahr dauern. Das liegt daran, dass selbst das konsensfähigste Gesetz durch den parlamentarischen Prozess gehen muss – also wenn es nicht gerade um eine Diätenerhöhung, Überwachungsgesetze oder den ESEF/ESM geht.

Dazu wird man den Strompreis auch nicht über Nacht so weit nach oben schrauben können. Dafür sind die relevanten Entscheider im Hintergrund viel zu intelligent, auch wenn die Politiker auf der Bühne meist nicht so wirken. Eine zu schnelle Anhebung des Preises würde eine Wirtschaftskatastrophe auslösen, die man maximal chronisch zu akzeptieren bereit ist.

Daher wird es insgesamt noch in etwa vier Jahre dauern, bis die maximale „Ausbaustufe“ für Deutschlands CO2-Öko-Strompreis erreicht sein wird.

Dieser Zeitraum ist sehr relevant, da der Markt für Photovoltaik und Batteriesysteme sehr dynamisch ist und die Preise jedes Jahr im mindestens einstelligen Prozentbereich zurückgehen. Geht man von durchschnittlich vier Prozent aus, dann wird eine neue PV-Akku-Anlage im Jahr 2023 pro effektiver Kilowattstunde nicht mehr 73 Cent kosten, sondern „nur noch“ 62 Cent.

Genau diese 62 Cent pro KWh für den deutschen Stromkunden stellen denn auch die politische Obergrenze dessen dar, was erreicht werden kann und daher hinter den Kulissen mit Sicherheit angestrebt wird. Die Volkswirtschaftler unter den Lesern werden mir das sicherlich bestätigen.

Sollte die Welt nicht vorher untergehen - und das ist gar nicht so unwahrscheinlich - dann werden wir in ungefähr 20 Jahren von heute aus berechnet wieder Strompreise haben, wie wir sie heute erleben. In 40 Jahren wiederum werden unsere Kinder und Enkel Strompreise genießen können wie einstmals im Jahr 2000, als das Gesetz zur Förderung von Erneuerbaren Energien einführt wurde.
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