Bulgarien als neues Schlachtfeld geopolitischer Energieinteressen


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Da die deutschen Mainstream Medien wie bei vielem auch beim Thema „Geopolitische Angelegenheiten auf dem Balkan“ völlig versagen, möchte ich mit meinem Blog kurz einspringen und über den Ausbau der TurkStream Pipeline nach Bulgarien berichten. Dort fahren gerade Russland, die USA, die EU und die Türkei ihre großen geopolitischen Geschütze auf, um wahlweise den Bau der Gaspipeline durchzusetzen oder zu verhindern. Laut Google News übrigens berichtete der Mainstream das letzte Mal im März 2018 darüber – also der Mainstream der Schweiz, es war damals die NZZ, die etwas darüber schrieb.



Oriental Review: Bulgarien, das neue Schlachtfeld im neuen Kalten Krieg.



Der russische Ministerpräsident Medwedew ist letzte Woche nach Bulgarien gereist. Bei seinem Besuch wurden Möglichkeit sondiert, wie die TurkStream Gaspipeline auf das Balkanland und dann weiter nach Serbien und Mitteleuropa zu verlängert werden kann. Die Voraussetzung für diese Verlängerung hängt davon ab, ob Sofia feste rechtliche Garantien aus Brüssel erhält, um eine Wiederholung des SouthStream Fiaskos zu vermeiden, weswegen das aktuelle Projekt überhaupt erst entstanden ist.

Der Zeitpunkt seiner Reise fiel dazu auf den Tag der Feierlichkeiten zur Befreiung des Gastgeberlandes vom Osmanische Reich, das damals mit russischer Hilfe die Unabhängigkeit erkämpfen konnte, was den perfekten Rahmen bildet für einen Besuch des russischen Ministerpräsidenten. Die Beziehungen zwischen den beiden slawischen Ländern sind traditionell sehr eng, es gab aber durch aus auch Probleme zwischen den beiden. Vor allem während der beiden Weltkriege war dies der Fall, als sie jeweils auf unterschiedlichen Seiten kämpften.

Die Komplexität der russisch-bulgarischen Beziehungen erklärt, warum es viel einfacher gesagt als getan ist, die TurkStream Pipeline nach Bulgarien zu erweitern, insbesondere angesichts der jüngsten Entwicklungen, in denen der Balkanstaat zu einem gemeinsamen Protektorat der USA und der EU wurde und heute praktisch den Status eines Vasallen einnimmt. Allerdings versucht die bulgarische Regierung durchaus, ihre eigenen Interessen als Nation zu verteidigen, was daran erkennbar ist, dass sie sich aktiv für den Bau der Pipeline einsetzen.

Die EU wiederum braucht natürlich die Energie, die durch die Pipeline kommen würde. Zwar würde Brüssel aus politischen Gründen gerne stärker vom russischen Lieferanten wegkommen, oder zumindest den Pipelinetransit durch die Ukraine beibehalten, aber sie könnte durchaus dazu bereit sein, die TurkStream zu akzeptieren, da es unter den gegebenen Umständen keine anderen realistischen Optionen gibt. Die USA dagegen als der zweite Hegemon über Bulgarien ist jedoch eindeutig dagegen, da das Land beabsichtigt, in Europa teureres LNG zu verkaufen.

Bulgarien kann heute daher eindeutig als geopolitisches Schlachtfeld bezeichnet, auf dem ein Kampf um Einfluss ausgetragen wird. Die EU könnte ihr wirtschaftliches und institutionelles Gewicht im Land nutzen, um die Erweiterung von TurkStream auf das „Festland Europa“ von der Türkei aus zu fördern, während die USA über ihren militärischen Einfluss in der NATO und in den nationalen Behörden des Landes versuchen könnten, den Bau zu verhindern.

Inmitten all dessen gibt es offensichtlich einige bulgarische Entscheidungsträger, die sich trotz ihrer politischen Fehler und ihrer Loyalität zu dem einen oder anderen Interessenhalter im Hintergrund dennoch um ihre nationalen Interessen kümmern und verstehen, wie wichtig es für ihr Land ist, dass diese russische Initiative erfolgreich ist. Dies lässt sich daran ablesen, dass bereits einige Fortschritte in diese Richtung gemacht wurden. Es bleibt abzuwarten, wer sich in diesem Kampf um Einfluss am Ende durchsetzen wird, fest steht aber, dass Bulgarien gerade zu einem wichtigen Schlachtfeld des Neuen Kalten Krieges wurde.
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