Die neuen Zahlen der von Dr. Wodarg erwähnten Momo-Sterbestatistik sind raus – Hier eine Analyse der neuen Werte


Dr. Wodarg: "Soooo übertrieben.." (Bildquelle)

Hier geht es zu einem Beitrag mit der Analyse der Euro-Momo Zahlen für die nachfolgende Kalenderwoche 12

 

Dr. Wodargs Euro-Momo


Mitten in der aufgebrandeten Panik rund um den Coronavirus meldete sich in der letzten Woche Wolfgang Wodarg zu Wort. Der Mann ist Mediziner und Fachmann in puncto Epidemien und war in der Vergangenheit als Amtsarzt u.a. für die Einschätzung der von virulenten Erregern ausgehenden Gefahr zuständig. Inzwischen zirkulieren international mehrere Videos und Interviews von ihm, in denen er sich beschwichtigend über die vom neuen Coronavirus ausgehenden Gefahr äußert.

Eine gute Zusammenfassung seiner Ansichten gibt es bei MMNews, wobei er mehrmals auf die „Euro-Momo“ Statistik mit der Zahl an Sterbefällen in ungefähr einem Dutzend europäischer Länder verweist. Auf dieser Seite werden wöchentlich aktualisiert alle Sterbefälle gezählt, so dass jeder anhand der dargestellten Zeitreihen erkennen kann, ob gerade mehr oder weniger Personen sterben als anhand langfristiger Trends erwartbar wäre.

Kritisiert wurde Wodarg verschiedener Seite, wie etwa in diesem überraschend lesenswerten Beitrag bei Telepolis. Die beiden wohl bedeutendsten gegen Wodargs Position vorgebrachten Kritikpunkte dabei lauten, dass die Momo-Statistik nur Vergangenheitswerte darstellt, während das Coronavirus erst am Anfang steht, es sich bei der Pandemie also um eine dynamischen und exponentiell verlaufenden Prozess handelt, der nicht an Vergangenheitswerten gemessen werden kann.

Der zweite Kritikpunkt gegen Wodargs Position lautet, dass die Influenza als Benchmark nur relativ gut verwendet werden kann, da es sich bei ihr einerseits um eine bekannte Variable im Gesundheitssystem handelt, während eine schwere Erkrankung am Coronavirus mit drei Wochen fast doppelt so lange anhält als die Influenza mit 7-14 Tagen. Ein zuverlässiger Vergleich zwischen beidem ist daher wenn überhaupt nur sehr begrenzt möglich.

So groß ist der Einfluss des Coronavirus auf die Sterbestatistik


Nun aber, mit den neuen Zahlen lässt sich am Beispiel des in der Momo-Statistik erfassten Italien, wo in der letzten Woche über eintausend Menschen am Virus starben, in etwa ableiten, wie groß der Einfluss des Virus auf die Sterbestatistik ist. 

Italien starben im Jahr 2018 etwas mehr als 633.000 Menschen. Teilt man diese Zahl durch die 52 Wochen eines Jahres, dann ergibt sich der Erwartungswert dafür, wie viele Italiener in einer durchschnittlichen Woche sterben. Dieser Wert liegt bei circa 12.000 Personen. Im Winter, das zeigen die Momo-Zeitreihen klar, sterben in allen erfassten (europäischen) Ländern etwa 50% mehr Menschen als im Sommer, während der Wert für die Kalenderwoche 11 – aktuell befinden wir uns in Kalenderwoche 12 – typischerweise in etwa mittig liegt, sprich bei etwa 12.000 Toten pro Woche.

Die Aussage des Diagramms mit der Varianz für gestorbene Italiener insgesamt


Addiert man auf diesen Wert nun die Zahl der in zwischen dem 9. und 15. März am Coronavirus gestorbenen Italiener – insgesamt waren es 1.443 in der KW11 – dann resultiert daraus die Zahl von circa 14.500 Personen, die laut Erwartung plus wegen des Coronavirus gestorben sein müssten. Es käme einem Anstieg von 12 Prozent gleich und müsste sich damit klar in der Statistik widerspiegeln. 

Hier das entsprechende Segment des Momo-Diagramms, in dem der Grad der Abweichung vom erwartbaren Wert festgehalten werden (Über der roten Mittellinie = mehr Tote als erwartet; darunter = weniger Tote als erwartet):

Varianz Todesfälle alle Italiener (Bildquelle)


Aus dem Diagramm lässt sich ablesen, dass die Kurve durchaus einen Tick nach oben zeigt, allerdings bei weitem nicht in einer Weise, wie sie die mediale und politische Panik anzeigen würde. Tatsächlich impliziert das Diagramm, dass zum selben Zeitraum im vergangenen Jahr ohne Coronavirus mehr Menschen als erwartet starben als in diesem Jahr. Auch der neuerliche Aufwärtstrend in der letzten Woche ist nicht ungesehen, auch wenn es im selben Zeitraum des Jahres 2016 zu einem kurzen unerwarteten Überschuss an Sterbefällen gab.

Die Aussage des Diagramms mit der Varianz für gestorbene Italiener ab dem Alter von 65 Jahren


Neben dem Gesamtwert für die Bevölkerung gibt es auch die Aufschlüsselung nach Alter. Hier ist aufgrund der hohen Mortalität von über 8% unter Personen ab 70 Jahren die Statistik für all jene ab 65 Jahren interessant:

Varianz Todesfälle alle Italiener 65+ (Bildquelle)


Aber auch hier gibt es kaum eine nennenswerte Veränderung, wobei das Diagramm für die Alten fast deckungsgleich mit jenem der Gesamtbevölkerung ist. Dies liegt daran, dass diese Personengruppe generell in etwa 80-85% aller Todesfälle ausmacht, so dass diese in der Gesamtstatistik überproportional vertreten ist.

Von einer abnormalen Mortalität der Bevölkerung aufgrund der Coronapandemie kann jedoch auch hier – bislang zumindest – nicht gesprochen werden. Nicht zuletzt sind im Jahr 2019 ebenso erheblich mehr alte Personen als erwartet gestorben als in diesem Jahr.

Euro-Momo Diagramme mit kumulierten Werten aller Teilnehmerländer


Neben den Diagrammen für die einzelnen Länder gibt es auch welche mit den kummulierten Werten aller Teilnehmerländer. Leider ist hier aufgrund mangelnder Detailzahlen kein Direktvergleich möglich. Dennoch lassen die Diagramme eine eindeutige Aussage zu:

Entwicklung Sterbefälle alle Momo-Teilnehmer (Bildquelle)

Ein unerwarteter Anstieg der Todeszahlen in der Kalenderwoche 11 diesen Jahres gab es nicht. Weder liegt der Wert aller 65+ jährigen über dem Durchschnitt, noch trifft dies auf den Gesamtwert zu. Bei den 15-64 jährigen liegt die Zahl der Sterbefälle aller Momo-Teilnehmer für vergangene Woche sogar mit 400 Toten „zu wenig“ oder 6% deutlich unter dem erwarteten Wert.

Hat Dr. Wodarg nun recht mit seiner Einschätzung?


Die Erwartungswerte von Euro-Momo für die letzte Woche legen es relativ nahe. Sie legen es deshalb nahe, da sich trotz des in Teilen Europas wütenden Coronavirus kaum ein Wert jenseits des erwartbaren bewegte. Sie legen es jedoch nur „relativ“ nahe, weil sich die Pandemie noch immer sehr dynamisch, sprich mit exponentiellen Ansteckungswerten, entwickelt.

Für die Politik und jeden Einzelnen bedeutet es, dass beiden Extremen Rechnung getragen werden sollte. Auf der einen Seite steht dabei der völlige Verzicht auf ein gesellschaftliches Leben, was verheerende Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Wohlstand hätte, während auf der anderen Seite ein Laizes-faire Vorgehen stünde, das in kürzester Zeit mit einer absichtlichen Infektion der gesamten Bevölkerung einherginge.

Letzteres, das zeigten sowohl China, als auch der Iran und Italien, kann das Gesundheitssystem in kurzer Zeit aufgrund der Vielzahl von gleichartigen Symptomen mit dem Bedarf einer intensiven Behandlung völlig überwältigen.

Es gilt daher, einen Mittelweg zu finden, der aus der „Abflachung der Kurve“ besteht, wie es medial verbreitet wird. Vor allem aber muss dafür gesorgt werden, dass es unter den Risikogruppen nur eine sehr langsame Verbreitung der Infektionen gibt. Eine generelle Ausgangssperre, wie sie derzeit auch in Deutschland für die kommende Woche kolportiert wird, scheint in Anbetracht der Zahlen jedoch klar übertrieben.

Die selektive Quarantäne für Personen ab dem Alter von 65 Jahren, sowie für Personen mit im Krankheitsverlauf einer Coronainfektion relevanten Vorerkrankungen würde aller Wahrscheinlichkeit ausreichen. Daneben sollte auch das physische Verletzungsrisiko für die Bevölkerung minimiert werden, so dass die Zahl der belegten Intensivbetten möglichst gering bleibt für einen möglichen Anstieg schwerer Krankheitsverläufe mit dem Coronavirus.

Beispielsweise könnte vorübergehend das Fahrradfahren ohne Helm und das noch unfallträchtigere Motorradfahren untersagt werden. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autobahnen von 100 km/h, außerorts 80 km/h und innerorts 30 km/h sollte erwogen werden. Bei jährlich 400.000 Verletzten und Toten im Straßenverkehr (7.700 pro Woche) könnte mit der Maßnahme eine erhebliche Entlastung in den Intensivstationen des Landes bewirkt werden. Möglicherweise würde auch ein generelles PKW Fahrverbot für alle unter 25 jährigen weiterhelfen, da diese überproportional verunfallen.

Nicht zuletzt muss die Politik auch der Industrie entsprechende Anreize geben, etwa über die vorübergehende Aussetzung von Zulassungsregulierungen. So ließen sich kurzfristig die für einen potenziellen weiteren Anstieg an schweren Erkrankungen notwendigen Geräte für Intensivstationen bereitstellen. Aber auch die Massenproduktion von Testkits für eine gezielte Selektion der Virusträger müsste von der Politik eher zur Priorität erklärt werden, als eine generelle Ausgangssperre für eine unbestimmte Zeit.

Alles in allem jedoch deuten die Zahlen auf einen glimpflichen weiteren Verlauf der Pandemie hin und man wie Martin Armstrong meinte stets bedenken sollte, dass man einen Patienten auch tot pflegen kann.



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