Der Iran, Saudi Arabien, die USA und vier Öltanker – Qui bono?


Demnächst wieder im Live-TV? (Bildquelle)

Infolge eines Sabotageakts an mehreren Öltankern im Persischen Golf erhöhte sich die diplomatischen Spannungen zwischen den USA, Saudi Arabien und dem Iran. US Kriegsschiffe wurden auf den Weg geschickt und Warnungen zwischen den Konfliktparteien werden ausgetauscht. Viele erwarten einen Krieg zwischen den Kontrahenten oder zumindest eine Verschärfung der internationalen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Hier ein überaus scharfer Kommentar zur Frage, ob man den Verlautbarungen zum Vorfall glauben kann und wer von einer Intensivierung der Krise profitieren würde.



Strategic Culture Foundation: Wer wirklich von der Sabotage an den Schiffen im arabischen Golf profitiert



Nach dramatischen und offensichtlich im Vorfeld ausformulierten Warnungen vor „iranischen Aggressionen“ durch Vertreter der US-Regierung in der letzten Woche folgte nur kurz darauf – ganz so, als sei es das Normalste der Welt - ein angeblicher Sabotagezwischenfall in der Golfregion, in die der Iran verwickelt sein soll.

Unterdessen meint US-Außenminister Mike Pompeo ohne das Gesicht zu verziehen, dass sein Land keinen Krieg mit dem Iran will. Im Anbetracht dessen, dass die amerikanischen Streitkräfte urplötzlich ihre Feuerkraft im Persischen Golf erhöht haben, um auf angebliche iranische Verletzungen „zu reagieren“, wirken derartige Kommentare wie Hohn.

Wie immer „berichten“ westliche Nachrichtenmedien über den angeblichen Sabotagezwischenfall als ob die Verlautbarungen dazu alle wahr seien und sie stützen ihre Informationen dabei voll auf Äußerungen durch saudische und emiratische Beamte - Quellen, die ein berechtigtes Interesse daran haben, sich einen Kriegsvorwand gegen den Iran zu schaffen.

Angesichts der grotesken und geradezu frechen Lügen, die im vergangenen Jahr vom saudischen Regime in Bezug auf die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi verbreitet wurden, sowie der barbarischen, massenhaften Hinrichtungen von politischen Dissidenten die dem Mord an Khashoggi vorausgegangen sind ist es ekelhaft, dass die westlichen Medien nach wie vor so leichtgläubig sind, um saudischen Behauptungen über den jüngsten angeblichen Schifffahrtsvorfall Glauben zu schenken.

„Zwei saudische Öltanker wurden vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate sabotiert, was eine potenziell ernsthafte Bedrohung für die Ölversorgung der Welt darstellt“, berichtete etwa der britische Guardian und führt als Quelle für diese Informationen die „saudischen Regierung“ an. Was der Guardian ausließ war das Schlüsselwort „angeblich“, das eigentlich vor das Wort „Sabotage“ gehört hätte. Hier wird eindeutig vermittelt, dass der Vorfall böswilliger Natur war. Nicht anders verhielten sich die meisten anderen westlichen Nachrichtenmedien, die das gleiche Vertrauen in die offiziellen saudischen und emiratischen Ansprüche zeigten.

Leider jedoch gaben saudische und emiratische Beamte bislang keine Details bekannt über den „erheblichen Schaden“, der an insgesamt vier Tankern entstanden sein soll.

Das einzige, was wir über den Vorfall definitiv zu wissen scheinen ist, dass die vier Schiffe am frühen Sonntagmorgen in der Nähe des Hafens von Fudschaira in den VAE irgendwie manövrierunfähig gemacht wurden. Der Ort der Geschehnisse liegt im Golf von Oman und damit außerhalb des Persischen Golfs, etwa 140 Kilometer südlich der Straße von Hormuz. Letzteres ist der schmale Durchgang vom Golf von Oman in den Persischen Golf, durch den täglich bis zu 30 Prozent allen weltweit transportierten Rohöls gelangen.

Letzte Woche drohte der Iran erneut damit, seine Hoheitsgewässer in der Straße von Hormuz zu blockieren, „falls“ die USA einen militärischen Angriff auf das Land beginnen. Ein solcher Schritt des Iran würde die Weltwirtschaft aus der erwarteten Krise der Ölmärkte in ein Chaos stürzen. Es würde zweifellos auch einen totalen Krieg zwischen den USA und dem Iran auslösen, dem sich amerikanische regionale Klienten wie Saudi Arabien und Israel anschließen würden, um die Angriffe auf Teheran zu erleichtern.

Bislang gibt es bezüglich des jüngsten Schifffahrtsunfalls keine offiziellen Anschuldigungen gegen den Iran. Die daraus entstehende Impuls jedoch wird unmissverständlich in Richtung der Islamischen Republik gelenkt.

Der in den westliche Medien unkritisch zitierte saudische Energieminister Khalid al Falih behauptete, dass eines der angeblich angegriffenen Schiffe gerade auf dem Weg zum saudischen Hafen von Ras Tanura war, um dort Rohöl für den amerikanischen Markt zu laden. Der saudische Beamte machte keine begründeten Angaben zu der angeblichen Sabotage, betonte aber, dass sie dazu gedacht war, „die Freiheit der Schifffahrt zu untergraben“. Er forderte internationale Maßnahmen zum „Schutz der Sicherheit von Öltankern“. Es sind Formulierungen, die man sonst vor allem vom selbsternannten amerikanischen „Weltpolizisten“ hört, der damit seine weltweiten imperialistischen Eingriffe rechtfertigt.

Als die USA letzte Woche ankündigten, eine Flugzeugträgerflotte zusammen mit atomwaffenfähigen B-52-Bombern in den Persischen Golf zu schicken nahmen, da sie für sich das Recht in Anspruch, „den Iran oder seine Stellvertreter“ für jeden angeblichen Angriff auf „amerikanische Interessen“ zu sanktionieren. Im Wortlaut blieb man in Washington so vage und interpretierbar, dass sich die Ankündigung zur Anwendung gegen jede Art von Provokation eignet.

Ein Öltanker, der gerade auf dem Weg war, in Saudi Arabien Rohöl für den US-Markt zu laden? Das könnte sicherlich als iranische Aggression gegen amerikanische Interessen interpretiert werden.

Letzte Woche noch gab Washington eine Warnung heraus, wonach „der Iran oder seine Stellvertreter“ Angriffe auf „den kommerziellen Seeverkehr durchführen“ wollen. Ganz so, als ob es ein Stichwort war, passierte nur Tage danach die angebliche Sabotage von vier Schiffen, die wie die Faust aufs Auge der Warnung passen.

Der Iran seinerseits teilte mit, dass das keinen Krieg gegen die USA beginnen wird; dass man nur handeln würde mit dem Ziel, sich gegen jede amerikanische Offensive zu verteidigen. Das Außenministerium in Teheran nannte die jüngsten Sabotagebehauptungen „höchst beunruhigend“ und forderte von den saudischen und emiratischen Behörden mehr Klarheit darüber, was genau passiert sei. Wir können sicher sein, dass keines der beiden Länder in dieser Hinsicht die Wahrheit herausrücken wird, vor allem wenn man bedenkt, dass sie in der Vergangenheit immer wieder zur Lüge griffen.

Die wichtigste Frage ist natürlich, wer profitiert von den jüngsten Spannungen? Sicherlich kommen sie dem amerikanischen, saudischen und israelischen Interesse entgegen, die alle gerne offen gegen den Iran vorgehen würden.

Eine weitere wichtige Frage ist der Ort der angeblichen Sabotage. Wenn der Iran eine solche Operation durchführen wollte, dann wäre es viel geeigneter, diese in der Nähe der iranischen Hoheitsgewässer in der Straße von Hormuz durchzuführen. Der Gedanke dahinter ist ein logistische und sie dreht sich um die Frage, wie machbar es ist für mehrere parallel ablaufende iranische Kommandoaktionen, in 140 Kilometer entfernten Gewässern vier Öltanker anzugreifen? Wir sprechen hier über ein Meeresgebiet, das in geradezu forensischer Weie von fünften amerikanischen Marineflotte überwacht wird.

Wie bereits erwähnt gibt es vermutlich keine nachprüfbaren Informationen, mit der die angebliche Sabotage bewiesen werden könnte. Alles was wir haben sind Behauptungen von saudischen und emiratischen Beamten, also jene Art von Menschen, die an anderer Stelle behauptet, dass sich Journalisten in Konsulargebäuden in der Luft auflösen, oder dass im Jemen Kinder durch „Fehler“ bei Luftangriffen sterben, oder dass friedliche weibliche Demonstrantinnen aus Saudis unterdrückter schiitischer Minderheit „Terroristen“ sind, deren gerechte Strafe es ist, per Schwert enthauptet zu werden.

Es ist nicht weniger als beschämend, dass die westlichen Medien bei dieser Scharade wie allzu oft zahm und leichtgläubig mitmachen.

Die gesamte Operation inklusive Zielobjekt, Timing, Quellen, Agenda, Motive und alles umrahmt von der pflichtgemäßen Dienlichkeit der westlichen Medien – die Wette lautet, dass wir es hier mit einer Operation unter falscher Flagge zu tun haben, die den Iran zu belasten soll.

Auch wenn der Vorfall nicht zum Vorwand für einen amerikanischen Militärangriff führen wird, so werden Washington und seine saudischen und israelischen Kunden zumindest sicherzustellen versuchen, dass ihre europäischen Lakaien auf Linie gebracht werden hinsichtlich einer Ausweitung des Wirtschaftskrieges gegen den Iran und sie das florierende Atomabkommen nicht länger beachten. Dabei handelt es sich übrigens um einen internationalen Vertrag, der nachweislich durch amerikanische politische Sabotage torpediert wurde.

Was hier wirklich vor sich geht ist eine weitere schamlose Umdrehung der Realitäten. Man muss die Situation nur einmal vergleichen mit der gleichzeitigen Verlogenheit der USA gegenüber Venezuela, Syrien, Kuba, Russland, China, Nordkorea und so weiter. Erneut sehen wir, wie eine illegitime Aggression durch die USA unglaublich schnell von den lügenden Massenmedien mit einem Persilschein ausgestattet wird, die sich auch noch trauen, ihre unverhohlene Kriegspropaganda als „Nachrichtendienstleistung“ zu bezeichnen.

So wie sich die Sache verhält jedenfalls könnte die Welt bald schon von den chronischen Lügnern des amerikanischen Regime in einen potenziell katastrophalen Krieg hineingelogen werden.
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