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Donnerstag, 8. November 2018

Analyse: Raucher, Beamte und ihre Pension


(Bildquelle)

Wer raucht und dabei an Helmut Schmidt denkt, der sollte sich gut überlegen, ob er sich das richtige Vorbild ausgesucht hat. Beim Qualmen nämlich handelt es sich um eine der sichersten Methoden frühzeitig - also noch vor dem ersten Renteneingang - aus dem Leben zu scheiden. Dieser Sachverhalt scheint sich dabei vor allem in deutschen Beamtenstuben herumgesprochen zu haben, gibt es unter Beamten doch deutlich weniger Raucher als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dies sorgt zum einen zwar für gute Luft beim Amtsbesuch, hat aber auch verheerende Auswirkungen auf die Pensionslasten aufgrund zu vieler langlebiger Beamter.


Demografische Krisen überall



Nicht nur das deutsche Rentensystem wird bald schon aufgrund der demografischen Krise und trotz Anpassungen der Rentenformel in eine bedrohliche Schieflage geraten. Schon länger ist bekannt, dass insbesondere auch die Bundesländer auf eine gewaltige Pensionskrise zulaufen. Zu viele öffentliche Mitarbeiter wurden im Laufe der guten Jahrzehnte verbeamtet und zu wenige Kinder kommen zur Welt, so dass immer weniger Menschen mit ihrem Arbeitseinkommen immer mehr pensionierte Beamte finanzieren müssen.

Alleine Baden-Württemberg muss laut Haufe in den nächsten 30 Jahren 192 Milliarden Euro zurücklegen, um die kommende Lawine ohne merkliche Abstriche überstehen zu können. Ich habe es nicht nachgeprüft, aber insgesamt dürften die Pensionslasten aller Länder und des Bundes sicherlich nahe an die Marke von zwei Billion Euro reichen, wobei alleine der Bund bis ins Jahr 2030 1,5 Millionen Pensionäre versorgen muss, die mit 870 Millarden Euro zu Buche schlagen werden.

Das ist nicht gerade wenig und entgegen der Propaganda werden die in den letzten drei Jahren „neu hinzugekommenen“ wohl eher nicht dazu beitragen, den pensionierten Beamten ein schönes Altersleben zu ermöglichen.

Es wird also Anpassungen brauchen und da aufgrund der vielen politnahen Beamten aus opportunistischen Gründen vermutlich eher keine Abstriche bei den Bezügen möglich sein werden, wird es auf eine weitere Anhebungen des Pensionsalters  hinauslaufen müssen, wie es auch beim staatlichen Rentensystem der Fall ist.

Wie sehr diese Altersgrenz allerdings wirklich hochgesetzt werden müsste, um die höhere Lebenserwartung der Beamten auszugleichen möchte ich im folgenden erörtern, wobei ich die Abwesenheit von Rauchern unter den Beamten für einen der wichtigsten Faktoren im Spiel halte.



Raucher zahlen viel und sterben pünktlich



Aus volkswirtschftlicher Perspektive und so lange sie einem nicht den Rauch ins Gesicht blasen gehören regelmäßige Raucher zu den besten Mitbürgern, die man sich wünschen kann. Zum einen liegt das daran, dass sie täglich mehr oder weniger freiwillig eine extra Portion an Steuern abführen, die beim Standardraucher mit einer Schachtel pro Tag in etwa bei 3,26 Euro liegt. Auf das Jahr hochgerechnet summiert sich das auf über 1.000 Euro, was nicht gerade wenig ist.

Dazu kommt vor allem aber auch, dass der Großteil der Raucher vor dem Beginn der Rente oder kurz danach stirbt. Sei es aufgrund von Lungen- oder einen anderen Raucherkrebs, COPD oder einem Herzinfarkt, die Zahlen dazu sind überaus eindeutig. 

Diese Grafik hier zeigt, dass der Raucheranteil in der Bevölkerung zwischen 60 und 69 Jahren rapide abnimmt, wobei dies weniger der Vernunft geschuldet ist, sondern vor allem dem Tod. Wer nämlich mit dem Rauchen aufhört, der hört meist früher auf. Ich denke, die meisten Ex-Raucher werden irgendwo um das 30. Lebensjahr herum geboren, wenn das Erwachsenenleben final eingezogen ist und Haus und Kind finanziert werden wollen.

Je älter man dagegen ist als Raucher, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man das Laster noch einmal los wird. Wer mit Ende 50 aufhört zu rauchen, der hört in den meisten Fällen auch gleichzeitig auf mit dem atmen.

Gäbe es eine Rentenkasse nur für Raucher, bei der man ab dem 65. Lebensjahr eine Rente erhält, sie wäre überaus günstig und läge lediglich etwa bei einem Viertel dessen, was die Allgemeinheit zu bezahlen hat. Im jetzigen Rentensystem tragen Raucher in etwa ein Drittel zum Gesamtaufkommen bei, jedoch holen sie sich nur ungefähr ein Neuntel (11,1%) wieder heraus. Das ist ein überaus günstiges Verhältnis für alle Nichtraucher unter den Beitragszahlern wie auch den Empfängern.

Gegen Raucher als spottbilliger Mitbürger wird zwar gerne vorgebracht, dass diese ja an Lungenkrebs erkranken und daher eine intensive und teure medizinische Betreuung benötigen. Das ist wahr, allerdings ist es nur die halbe Wahrheit. 

Die andere Hälfte der Wahrheit besteht in der Tatsache, dass so gut wie alle Menschen am Ende ihres Lebens medizinisch intensiv betreut werden müssen und damit extrem teuer sind. Ob es nun Lungenkrebs mit 60 ist oder ein Schlaganfall oder Demenz mit 80, die letzten ein bis drei Lebensjahre sind medizinisch gesehen nur bei all denjenigen niedrig, die eines Abends kerngesund ins Bett gehen und am nächsten Morgen nicht mehr aufwachen.

Wir haben es beim Raucher also zu tun mit einem Typus Mitbürger, der aufgrund der Tabaksteuer überproportional viele Steuern zahlt, der genauso in das Rentensystem einbezahlt wie jeder andere, dessen Krankheitskosten nicht wirklich höher liegen als beim Rest, der aber nur einen Bruchteil dessen aus der Rentenkasse wieder herausbekommt, was er eingezahlt hat.

Rein staats- und volkswirtschaftlich betrachtet stellt die Abwesenheit von Rauchern in einer Gesellschaft also ein großes Problem dar und ausgerechnet unter Beamten gibt es kaum welche.



Beamte: Karotten statt Kippen



Auch wenn die Zahlen bereits ungefähr 10 Jahre alt sind, so bietet der vom DKFZ herausgegebene Tabakatlas auf Seite 4 eine gute Übersicht über das Rauchverhalten der Deutschen gestaffelt nach Geschlecht und Berufsbild. Ganz vorne mit dabei unter den Nichtrauchern sind die folgenden Berufsgruppen:
  • Verwaltungsfachleute (Männer; 16,8%)
  • Seelsorger (Männer; 13,9%)
  • Lehrer ohne Gymnasium (Frauen; 13,6%)
  • Gymnasiallehrer (Männer; 13,3%)
  • Hochschullehrer (Männer; 13,2%)
  • Gymnasiallehrer (Frauen; 10,8%)
  • Seelsorger (Frauen; 8,5%)

Nicht alle Personen in diesen Berufsfeldern sind Beamte, das ist klar, allerdings besteht das Gros der Beamten aus diesen Berufsgruppen. Vor allem die Riege der Lehrer ist größtenteils staatlich angestellt und sie sind meist auch verbeamtet. Interessant ist, dass man hier auch sieht, wie sehr die staatliche Pensionskrise eine Krise der Pensionärinnen ist, da die Frauen unter den Beamten noch einmal deutlich seltener rauchen als ihre männlichen Kollegen.

Aufgrund des hohen Lehreranteils unter Beamten und aufgrund des hohen Frauenanteils unter den Lehrern schätze ich den großen Durchschnitt aller Beamten auf etwa 13 Prozent Raucher, oder anders gesagt: Unter Beamten raucht lediglich etwas mehr als einer von acht.(Zum Vergleich, im Bevölkerungsdurchschnitt aller Erwachsener ist es jeder dritte.)

Ohne den Malus des Nikotins und dank der Gewissheit und Ruhe schaffenden Sicherheit des Arbeitsplatzes leben Beamte deutlich länger als der Rest und vor allem weitaus länger als Raucher.

Da Deutschland allerdings (noch) keine chinesischen Verhältnisse hat, wo man im Zweifel die Beamtenschaft zum rauchen zwingen kann, ergibt das ein sehr großes Problem für die Pensionskassen.


Pensionäre im höheren Dienst sollte man sein



Genaue Zahlen zur Lebenserwartung habe ich nur für die Jahre 1999 bis 2003 gefunden, die in dieser Studien der CSU Parteistiftung aufbereitet wurden, wobei ich trotz des Parteimalus ich davon ausgehen werde, dass die Zahlen halbwegs zuverlässig sind. Auf Seite 5 (278) findet sich ein Diagramm, das einen guten Überblick über die Situation bietet.

Darauf zu sehen ist die Entwicklung der Lebenserwartung nach dem 65. Lebensjahr. Bei allen Rentnern insgesamt lag diese im Jahr 2003 bei knapp 16 Jahren und im Vergleich dazu lag sie bei Pensionären insgesamt fast exakt um zwei Jahre darüber (12,5%). 

Wichtig ist dabei, dass die Lebenserwartung seit damals noch einmal deutlich gestiegen ist und sie heute in etwa fünf Jahre über der damaligen liegt. Der durchschnittliche Beamte von heute wird daher ungefähr 23 Jahre lang seine Pension genießen. 

Auch wenn das bereits imposant klingen mag, der durchschnittliche Beamte im höheren Dienst lebte in Pension bereits im Jahr 2003 noch einmal 19,5 Jahre lang (21,9% über dem Bevölkerungsschnitt) und überlebt heute sogar locker den letzten zweistelligen runden Geburtstag. Das wohlgemerkt im Durchschnitt.

Angesichts dieser Zahlen würde ich mich nicht wundern, wenn die meisten der 100-jährigen in Deutschland früher als Beamte gearbeteitet hätten.

Es wirft auch ein ganz neues Licht auf die Verwaltungsbeamten der Nazi-Konzentrationslager, von denen heute bekanntlich immer noch welche hochbetagt vor Gericht gebracht werden. Es gibt ein klares Muster, warum das so ist, während kaum einer der nicht verbeamteten SS-Männer auf dem Wachtürmen noch am Leben sein dürfte.




(Für Beamte kein gutes) Fazit



Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass Beamte vor 20 Jahren bereits ein viel höheres Renteneintrittsalter von etwa 67 Jahren hätten haben müssen, um hinsichtlich der Restlebenszeit eine Parität mit dem Rest der Bevölkerung zu erzielen. Heute, mit der jetzt schon viel höheren Lebenserwartung - und der absehbar weiter steigenden Lebenserwartung in den kommenden 15 Jahren, wenn die Pensionskrise wirklich einschlagen wird - müsste das Pensionsalter für Beamte noch einmal deutlich nach oben korrigiert werden.

Auf Basis der Zahlen schätze ich, dass ein „faires“ und finanzierbares Pensionsalter für Beamte bei mindestens 70 Jahren läge. Es wäre damit fünf Jahre höher als das aktuelle und noch immer drei Jahre über dem kommenden Pensionsalter von 67 Jahren, das für die meisten Beamte ab dem Jahr 2031 gelten soll.

Mit einer solchen Anhebung könnte alleine der Bund im Hinblick auf die 1,5 Millionen Pensionäre angesichts der aktuell durchschnittlich über 36.000 Euro an gezahlter Jahrespension in etwa 54 Milliarden Euro pro Jahr einsparen, was sich insgesamt auf ungefähr 200 Milliarden Euro summieren würde. 

Das ist nicht nur eine sehr große Summe, mit der die Pensionskrise vermutlich abgewendet würde, sondern es wäre aufgrund der viel höheren Lebenserwartung der Beamten auch überaus gerecht, wie ich meine.

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