Über 175 Milliarden extra: Das neue Heilmittel für Krebs als sicheres Todesurteil unseres Rentensystems


Der Grabstein ist bestellt (Bildquelle)

Vor einigen Tagen ging eine kleine Sensationsmeldung durch die Medien. In Israel gelang Wissenschaftlern der Durchbruch bei der Heilung von Krebs. Bis in einem Jahr soll die Behandlung auf den Markt kommen, sie funktioniert bei allen Krebsformen, hat eine sehr hohe Trefferquote und kommt, wie es heißt, mit nur wenigen bis keinen Nebenwirkungen daher. So schön das ist für Raucher und genetisch vorbelastete Mitmenschen, das Heilmittel wird mindestens eine starke Nebenwirkung haben und zwar eine tödliche. Sie wird unser Renten- und Pensionssystem völlig ruinieren.


Warum das Heilmittel nicht unser Gesundheitssystem ruinieren wird



Angesichts der bekannten Tatsache, dass neue Medikamente meist sehr teuer verkauft werden und alleine in Deutschland jährlich fast eine halbe Million Menschen an Krebs erkranken, könnte man nun vermuten, dass das Heilmittel für Krebs auch das Gesundheitssystem ruinieren könnte.

Tatsächlich vermute ich, dass eine durchschnittliche Heilung wohl nicht unter 150.000 Euro zu haben sein wird, da die Preise verbesserter oder neuer Behandlungsmethoden sich immer an den Kosten für die bisherige Behandlung der selben Krankheit orientieren. Und aktuell kostet die durchschnittliche Bekämpfung von Krebs ungefähr 200.000 Euro.

Höher wird der Preis des neuen Heilmittels daher sehr wahrscheinlich nicht liegen, da die Krankenkassen ansonsten zuerst eine bereits auf dem Markt befindliche Behandlung durchführen würden und nur dann, wenn diese nicht greift oder ein Erfolg unwahrscheinlich ist, auf das neue Produkt zurückgreifen.

Trotzdem, 150.000 Euro sind sehr viel Geld und will man die bestehenden 1,55 Millionen Krebserkrankungen baldmöglichst abarbeiten, dann wird eine ordentliche Kostenwelle jenseits der 200 Milliarden Euro Marke auf das Kassensystem zurollen.

Blickt man jedoch in mittlerer Sicht auf die kommenden 10 bis 15 Jahre als Ganzes, dann werden die Kosten im Gesundheitssektor signifikant sinken.

Nicht nur wird irgendwann der pharmakologische Patentschutz für das Medikament enden – in der EU sind es 12 Jahre – so dass Generikahersteller in das Geschäft einsteigen können. Auch die Bestandsfälle werden bald abgearbeitet sein, so dass netto pro Fall eine deutliche Kostenreduktion eintreten wird.

Nicht zuletzt wissen andere Forschungseinrichtungen und Pharmakonzerne nun, wo genau sie ansetzen müssen und können andere, bislang nicht geschützte Wirkstoffe auf den Markt bringen. So geschah es beispielsweise bei Hepatitis C, für das innerhalb von kurzer Zeit mehrere Heilmittel auf den Markt kamen, woraufhin die Preise stark sanken.

Tatsächlich wird das Gesundheitssystem meines Erachtens sogar noch vor der Jahrhundertmitte abgeschafft werden können und zwar wegen der rasanten Fortschritte gentechnik- und IT-basierter Forschungsansätze.

Früher oder später werden wir alle kleine Sensoren in uns tragen, die uns frühzeitig darüber informieren werden, dass sich beispielsweise ein Hautkrebs entwickelt. Die Krankheit wird dann geheilt, indem sich der Patient im Drogeriemarkt seiner Wahl für ( nicht inflationsbereinigte) 20 Euro ein einfaches Pflaster mit einem imprägnierten Heilmittel kauft und dieses einige Tage lang über das Muttermal klebt.



Warum das Renten- und Pensionssystem trotzdem platzen wird



Das Erkennen und Heilen von Krankheiten wird so einfach und billig sein, dass kein Gesundheitssystem mehr dafür von Nöten sein wird. Dadurch werden gleichzeitig Milliardensummen frei, die theoretisch in Richtung Renten und Pensionen umgeleitet werden könnten, um diese angesichts der demnächst massiv ansteigenden Überlebensrate von Krebs- und sicherlich bald auch anderen Patienten zu stabilisieren.

Über 350 Milliarden Euro stünden zur dafür Verfügung, allerdings erst langfristig ab etwa den 2040ern. Davor jedoch wird sich ein Problem aufstauen, über das ich im Zusammenhang mit Beamtenpensionen bereits etwas geschrieben habe.

Beamte sind notorische Nichtraucher und unter anderem deswegen sehr langlebig. Im Zusammenhang mit dem relativ frühen und nur zaghaft angehobenen Pensionseintrittsalter, wird dieses mit dem Erreichen des Pensionsalters der Babyboomergeneration bald schon für enorme finanzielle Belastungen sorgen.

Momentan erstreckt sich dieser gigantische Finanzierungsenpass in dreistelliger Milliardenhöhe nur auf Beamte. Bei „normalen“ Rentnern dagegen, also all jenen, die ihre staatliche Rente aus der gesetzlichen Rentenkasse erhalten gab es dieses Problem bislang nur in begrenzter Weise. Dies zum einen aufgrund der Anhebung des Renteneintrittsalters und der abgeschliffenen Rentenansprüche, aber auch, weil normale Rentner bislang deutlich öfters vorzeitig an (Raucher-)Krebs gestorben sind.

Kommt nun jedoch dieses Heilmittel auf den allgemeinen Markt, dann werden auch diese ein deutlich höheres Alter erreichen. Mit etwa einer Viertel Million Krebstoten weniger muss alleine in Deutschland ab der Markteinführung gerechnet werden.

Dies könnte bereits in einem Jahr sein, oder falls sich die Verhandlungen hinziehen möglicherweise erst in 3-4 Jahren. Dann aber wird es so weit sein und die Zahl der Toten in Deutschland wird absehbar für längere Zeit um ungefähr 25 Prozent zurückgehen.

Da es sich bei den Toten wiederum überwiegend um Rentner handelt - die durchschnittliche Diagnose für Krebs liegt bei 68 Jahren – werden die schnell und zuverlässig genesenden Krebspatienten nicht wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, sondern weiter Renten- oder Pensionsansprüche geltend machen.

Leider konnte ich keine Zahlen finden zur Lebenserwartung von Menschen, die in ihrem Leben nie an Krebs erkrankten. Für eine Abschätzung der kommenden Mehrkosten für das Rentensystem werde ich daher die Lebenserwartung von Beamten im höheren Dienst heranziehen. Diese wurden im Jahr 2003 laut dieser Studie durchschnittlich 84,5 Jahre alt. Ein Wert, zu der für den aktuellen Stand die heute um etwa drei Jahre höhere Lebenserwartung der allgemeinen Bevölkerung hinzu kommt.

Wir erhalten damit als durchschnittliches Lebensalter 87 Jahre, einem Wert, mit dem laut allgemeiner Erwartung bislang erst zur Mitte des Jahrhunderts gerechnet wurde.

Absehbar muss die deutsche Rentenversicherung dem Eckrentner dadurch für weitere 40+ Monate eine Rente auszahlen, als in den momentanen Schätzungen angenommen wird.

Als weiterem Malus für das System wird dazu sehr wahrscheinlich auch die Lebenserwartung für Männer ansteigen. Bislang leben Frauen fünf Jahre länger als Männer, da Männer unter anderem deutlich häufiger an Krebs sterben, auch wenn beide Geschlechter in etwa gleich oft daran erkranken.

Dies ist gleichbedeutend mit einem weiteren Schub für die allgemeine Lebenserwartung von mindestens 30 Monaten. In der Summe liegen die demnächst anstehenden Zusatzbelastungen also bei 70 Monaten, oder anders ausgedrückt, der Durchschnittsrentner wird innerhalb der kommenden fünf Jahre um 44 Prozent länger eine Rente beziehen wollen.

Multipliziert man diesen Faktor nun mit der Eckrente und der Anzahl an Rentenempfängern insgesamt, dann erhält man im Ergebnis die Zusatzbelastungen für das Rentensystem.

Mit einer Eckrente, die aktuell bei etwa 1.275 Euro liegt (Ost- und West relativ gemittelt) und 25,66 Millionen Empfängern der staatlichen Rente (ohne verbeamtete Pensionäre!) sind dies 176,17 Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlichen Zahlungen!



Was werden die finanziellen Folgen sein und wie könnte man sie abmildern?



Das wahre Ausmaß der Katastrophe, die das Krebsheilmittel für das deutsche Rentensystem darstellt erkennt man dann, wenn man diese definitiv kommende Zusatzbelastung in Relation zum BIP Deutschlands setzt. Im Jahr 2018 lag dieses bei 3,39 Billionen Euro, so dass die 176 Milliarden Euro knapp 5,2 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung ausmachen werden.

Mit einer Staatsquote, die auf einen Schlag um so einen großen Prozentsatz nach oben schnellen wird halte ich es für ausgeschlossen, dass die Wirtschaft kurz- bis mittelfristig keinen massiven Schaden nehmen wird. Vor allem aber werden Arbeitnehmer und ihre Familien darunter leiden.

Abzüglich der Hälfte jener ohne eigenes Arbeitseinkommen erwirtschaftet der durchschnittsdeutsche Arbeitnehmer über 66.000 Euro im Jahr. Aus genau diesem Reservoir wird sich die Rentenversicherung bedienen und im Schnitt 3.300 Euro davon abzweigen.

Netto, also unter Abzug aller weiteren Steuern und Abgaben werden Alleinstehende (Steuerklasse 2) dadurch von aktuell ungefähr 38.500 Euro abstürzen auf 37.000 Euro. Familien mit zwei Kindern und einem vollzeitbeschäftigten Elternteil (Steuerklasse 3) wiederum fallen von bislang 44.400 Euro auf dann 42.500 Euro.

Pro Monat werden Alleinstehende im Durchschnitt 125 Euro von ihrem Nettoeinkommen verlieren und Familien verlieren in etwa 158 Euro. Selbst wenn die effektiven Zahlen aufgrund der ungenauen Berechnungsgrundlage am Ende etwas niedriger ausfallen, ich denke nicht, dass irgendein sich autonom über ein Arbeitseinkommen finanzierender Haushalt in Deutschland mit unter 100 Euro pro Monat davonkommen wid.

Dies wohlgemerkt innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre, wenn es schnell geht mit der Einführung des neuen Heilmittels in Deutschland.

Einziger Ausweg aus der Misere wäre eine zeitnahe und deutliche Anhebung des Renten- und Pensionseintritts, oder idealerweise dessen Anpassung an die Lebenserwartung, wie es in anderen Ländern der Fall ist und teilweise auch für Deutschland gefordert wird.

Dem könnte allerdings der politische Opportunismus einen Strich durch die Rechnung machen, da es bekanntlich nur allzu leicht ist, mit Versprechungen auf Wählerfang zu gehen. Das Risiko des Erfolgs für ein solches Vorgehen mit unbezahlbaren Versprechungen ist sowieso bereits sehr hoch, da es schon heute aufgrund der demografischen Alterung überproportional viele Rentner gibt, von denen allzu viele nur wenig zu verlieren haben.

Kommt hier noch einmal mindestens eine halbe Million frisch geheilter 68-jähriger hinzu, denen anstatt der süßen Altersruhe die Rückkehr in das Hamsterrad droht, dann ist es nicht allzu weit hergeholt, dass die notwendige Anhebung des Renteneintrittsalters von der Mehrheit der Begünstigten an der Wahlurne rundweg abgelehnt wird.

Die Folge dessen wäre der unmittelbare Systemzusammenbruch.

Insgesamt lässt sich daher sagen, dass das Heilmittel für Krebs, so positiv es für sich gesehen ist, zweifellos auch eine (weitere) akute Katastrophenmeldung für die deutsche Gesellschaft darstellt.

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