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Samstag, 1. September 2018

Der Totalabsturz der Weltwirtschaft kommt spätestens in vier Jahren - Wird Polen schuld sein?

Nur Thailand, Russland, Südkorea und Kroatien haben ihre Hausaufgaben gemacht (Bildquelle)


Vor wenigen Wochen erst verlor die türkische Lira massiv an Wert, woraufhin das Land fast bankrott gegangen wäre und sehr wahrscheinlich erst die EU und dann den Rest der Welt mit in den Abgrund gerissen hätte. Dank der katarischen Ölmilliarden konnte der weitere Absturz der Lira fürs erste abgewendet werden. Allerdings gibt es nun mit Argentinien ein weiteres Land mit nennenswerter Wirtschaftsleistung, in dem gerade eine akute Währungskrise ausbrach und dessen Währung sich in Relation zum US-Dollar im freien Fall befindet. Die beiden Länder sind dabei nur zwei von einem halben einem Dutzend Schwellenländern, denen der baldige Bankrott droht. An deren Bedarf an Fremdwährung lässt sich ablesen, wie lange es dauern wird, bis der gesamten Weltwirtschaft ein Absturz droht.




Ein billiger US-Dollar ist gut, ein teurer werdender dagegen bedeutet den Tod


Viele Schwellenländer verschulden sich in Hartwährungen wie dem Euro, dem Schweizer Franken und dem US-Dollar. Die Vorteile liegen auf der Hand, da die Zinsen auf Kredite in diesen Währungen meist bedeutend niedriger sind als jene in der Landeswährung. Dies liegt vor allem an der Zentralbankpolitik, die darauf ausgerichtet ist, keine allzu hohe Inflationsraten zuzulassen, was mit Hilfe von hohen Leitzinsen für Bankkredite erreicht wird.

Der Winkelzug über Fremdwährungen hilft Unternehmen, Privatpersonen und staatlichen Stellen dabei, diese Begrenzungen zu umgehen, da der Topf an sich weltweit um Umlauf befindlichen Hartwährungen viel größer ist, was vor allem für den Dollar gilt. Die erzielbare Wirtschaftsleistung ist dadurch viel größer als es in einem geschlossenen Kreditmarkt wäre.

Sinkt dann aber der Wert der heimischen Währung relativ zum Dollar aufgrund einer konjunkturellen Schwäche oder aufgrund steigender politischer Risiken, dann bekommen die Schuldner dieser Fremdkredite ein Problem. Denn der Umsatz zur Refinanzierung der Zinsen wird weiterhin in der einheimischen Wärhung erzielt, allerdings müssen die Zinsen weiterhin in Dollar beglichen werden.

Der relative Anteil der Zinslast steigt und dem Schuldner droht die Zahlungsunfähigkeit. Gefährlich ist dieser Sachverhalt insbesondere dann, wenn Banken einen hohen Anteil an Schulden in einer Fremdwährung in ihren Büchern haben. Gehen einzelne Unternehmen, Privatpersonen oder auch der Staat pleite, dann sind die Auswirkungen in der Regel begrenzt. Gehen dagegen Banken pleite, dann ziehen sie alle ihre Kunden mit sich. Je nach Struktur des Bankenmarktes kann das zur Folge haben, dass eine einzige Bankenpleite die gesamte Weltwirtschaft mit in den Abgrund reißen kann. Bestes Beispiel dafür ist die Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er, als kleinere Landwirtschaftsbanken wegen einer Dürre pleite gingen und eine Kettenreaktion auslösten, die Schockwellen über den gesamten Planeten schickte.

Es ist also bekannt, was auf dem Spiel steht.



Auf die Expansion folgt die Krise, auf die Krise folgt die nächste Krise, darauf folgt der komplette Ausverkauf und dann kommt der Totalabsturz


Die Schwellenländer der Welt arbeiten seit etwa drei Jahrzehnten massiv an der Expansion ihrer Wirtschaftsleistung. Vom kleinen Beginn als billige Produktionsstandorte konnten sie über die Jahre massive Zugewinne verzeichnen, wobei immer wieder Krisen für Rückschläge sorgten, wie etwa die Asienkrise Ende der 1990er Jahre.

Das aber waren nur vorübergehende Rückschläge, die schnell abgeschrieben waren und übertüncht wurden mit Hilfe eines verstärkten Anlockens von ausländischen Investitionen und billigen Krediten, die - man kann es sich denken - vor allem in Dollar gezeichnet sind.

In der Krisenrunde danach ab 2008 ging es so wie davor. Auf den Rückschlag durch die Krise folgte eine weitere Runde der Abhängigkeiten von ausländischem Kapital, sei es in der Form investierten Eigenkapitals oder in Form von Fremdkapital, also Krediten in Dollar.

Die notwendige Bereinigung wurde aus politopportunistischen Gründen also vermieden zugunsten von immer neuen Schulden, die sich mittlerweile überall in der Welt türmen, nicht nur in den Schwellenländern. Aus der Perspektive eines Politikers (Stichwort: Erdogan) macht es auch weitaus mehr Sinn, sich für neue Brücken, Flughäfen, Wolkenkratzer und Kanäle feiern zu lassen, als zur Belohnung fliegende Tomaten in Empfang zu nehmen, weil er die Staatsfinanzen in Ordnung bringt.

Die Zwickmühle besteht nun vor allem darin, dass mit jeder Krisenrunde die Fallhöhe steigt. Auf der einen Seite kann man sich das Ausweichen vor der nächsten Krise nicht mehr leisten, auf der anderen Seite kann man sich die nächste Krise selbst aber noch viel weniger leisten. Und so werden immer neue und immer teurere Kredite aufgenommen und ein Service aus dem nationalen Tafelsilber nach dem anderen wechselt die Hände, bis irgendwann nichts mehr da ist, wie in Venezuela vor nicht allzu langer Zeit geschehen.

Mit dem 15 Milliarden Dollar Kredit durch Katar befindet sich die Türkei nun im Endstadium dieser Krisenspirale und Argentinien dürfte in den kommenden Tagen ebenfalls die Schwelle dorthin überschreiten. Vor zwei Monaten schon hat die aktuelle konservative Regierung vom IWF einen „Schnellkredit“ in Höhe von 50 Milliarden Dollar erhalten, der nun aber schon aufgebraucht zu sein scheint. Die Antwort wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein neuerlicher Milliarden Dollar Kredit sein und im Gegenzug wird Argentinien einem weiteren Ausverkauf seiner staatlichen Vermögenswerte und Interessen zulassen, bis irgendwann nichts mehr da ist.

Der Absturz kann also in die Zukunft verschoben werden. Allerdings gibt es eine natürliche Grenze, die darin besteht, dass entweder den Geldgebern das Geld ausgeht, oder aber dass keine verpfändbaren Werte mehr vorhanden sind. Dieser Punkt könnte in einem halben Dutzend Schwellenländern mit ähnlicher Strategie bald schon erreicht werden.



Zwei Dominos sind am fallen, mindestens vier werden noch folgen



Bei ZeroHedge gibt es einen Artikel mit einem Diagramm ganz unten (das oben verwendete Titelbild), das zeigt inwieweit die weltweiten Schwellenländer auf Devisen angewiesen sind. Ganz vorne ist die Türkei und dicht auf deren Fersen die Ukraine und Argentinien, gefolgt von Jordanien, Equador, Polen, Rumänien und Indonesien.

Die dicksten Brocken in absoluten Zahlen sind die Türkei und Indonesien mit einem BIP von je einer Billion US-Dollar, gefolgt von Argentinien und Polen mit einem BIP von gut der Hälfte und mit etwas Abstand die übrigen. Nachdem die Türkei sich nun für einen kompletten Ausverkauf entschieden hat, Argentinien am Tropf des IWF hängt und sich dort wohl noch mehr verschulden wird und Polen in der EU durchgefüttert wird ist der nächste Treffer-Versenkt-Kandidat dann Indonesien, wobei das Land zunächst vermutlich vor allem in Ostasien Schockwellen verursachen dürfte - oder von China und Japan mit Kapital versorgt werden wird.

Die bisherige Abfolge deutet darauf hin, dass zwischen dem (abgewendeten) Fallen der Länder ca. 4-8 Wochen liegen. Bei Wikipedia gibt es eine Tabelle mit der jeweiligen Auslandsverschuldung, die ich zusammen mit dem Diagramm für die Abschätzung verwenden werde, wie schnell sich die weitere Verschuldungsspirale drehen wird.

Mindestens drei Länder müssten lauter schreien als Argentinien

Bei dem 76 Milliarden Dollar Fehlbetrag von Argentinien muss man noch die bereits ausgezahlten 50 Mrd. abziehen, es bleiben also 26 Milliarden Dollar, wobei die Werte insgesamt nur eingeschränkt gültig sind, da sie bereits zwei Jahre alt sind. Die aktuellen Zahlen liegen vermutlich noch einmal um ein paar Prozente darüber. Insgesamt aber scheint Argentinien ein relativ kleiner Fisch zu sein, was vor allem in Relation zur Türkei und der Ukraine gilt. Vor allem die Ukraine ist bereits jetzt schon ausverkauft. Wer jetzt schon über die Hälfte der Wirtschaftsleistung nicht an das Ausland abtreten kann, für den kann fast nur noch die Zerschlagung folgen.

Die für mich größte Überraschung in der Liste ist Polen. Die guten Wirtschaftszahlen der letzten Jahre dort sind offenbar in ähnlicher Weise erkauft worden, wie es in der Türkei der Fall war. Entgegen der Erwartung, dass Italien, Spanien oder ein anderes Land der PIGS Gruppe die Eurozone zum Kollabieren bringen könnten steht laut dieser Liste ausgerechnet eines der EU-Länder ohne die Einheitswährung als Risikofaktor ganz oben.

Das mit Abstand größte Problem stellt aber weiterhin die Türkei dar, da der 15 Mrd. Dollar Kredit weniger als 10% des benötigten Geldes ausmachen. Länger als vielleicht drei Monate wird die Türkei wohl nicht durchhalten, bis die nächste Spritze notwendig ist. Es wird wohl nicht mehr zu lange dauern, bis das Land einen vergleichbaren Status hat wie die Ukraine heute.

Werden die Kredite weiterhin in Häppchen der Größenordnung von durchschnittlich 20 Mrd. Dollar vergeben und diese verzögern den Bankrott des jeweiligen Landes für sechs bis acht Wochen, dann werden wir in den kommenden drei bis vier Jahren noch weitere 27 Kreditvergaben an das halbe Dutzend Länder erleben, bis die Ende der Fahnenstange erreicht ist und die Zinsen auf die Kredite relevant werden, die zur Ablösung der bestehenden Kredite aufgenommen wurden.

Hinzu kommen könnten weitere Fälle aus der Liste der Länder mit nur knapper Überdeckung Auslandsschulden, falls der US-Dollar im Wert noch weiter steigen sollte. Vor allem Indien und Brasilien mit Volkswirtschaften im Wert von jeweils über 2 Billionen Dollar sind hier relevant, zumal diese in der Weltwirtschaft eingehend vernetzt sind. 

Mit nur den Kandidaten, die jetzt schon Kredite benötigen können können wir uns rechnerisch darauf einstellen, dass das Ende zwischen August 2021 und August 2022 kommen wird. Frühestens also rechtzeitig vor der kommenden Bundestagswahl und spätestens dann, wenn für die künftige AfD Regierung eigentlich andere Baustellen angehen müsste.

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